"Freya" und "Hulla"

 

Wer sind oder waren "Freya" und "Hulla"?

Freya und Hulla sind verschiedene Namen für ein und dieselbe Göttin.

 

Freya ist die bekannteste Göttin der germanischen und nordeuropäischen Völker. Sie stammt aus dem nordischen Geschlecht der Vanen und man stellte sie sich als die schönste Göttin, die Verkörperung des „großen Schoßes von Mutter Erde“ vor.

Freya (Freyia, Frea, Freja „Frau”, „Herrin”) ist die schöne Göttin der Fruchtbarkeit und des Frühlings, des Glücks und der Liebe sowie Lehrerin des Zaubers Seidr.

 

Sie ist jedoch nicht nur schön, die Große Stamm-Mutter Nordeuropas gilt als die göttliche Kraft, die Informationen allen Wissens besitzt und die Heiligen Gewässer hütet. Indem sie diese mit ihrem Wissen belebt, schenkt sie Leben. So wie sie Leben schenkt, so birgt sie in ihrem Leib die Seelen der Verstorbenen, um sie wieder zu gebären. Sie entspricht damit dem klassische Bild der Geburts- und Todes- und Wiedergeburtsgöttin.

 

Freya und Freyr

Freya hat einen Zwillingsbruder Freyr, der sozusagen auch ihr männliches Alter Ego ist.

Freyr war der Gott des Julfestes, das zu Winterbeginn gefeiert wurde. An diesem Wendepunkt des Sonnenjahres wurde er von seiner Jungfrau-Mutter-Schwester-Braut Freya geboren. Mit ihm brachte sie auch wieder das Licht in die Welt, denn von da an werden die Tage wieder länger.

Mit Freyr hatte Freya die Töchter Hnoss und Gersimi (beide Namen bedeuten „Juwelen“ bzw. „Kostbarkeit“). Mit ihm zusammen regierte sie ihre Heimat. Schon ihre Eltern waren Zwillinge und die Aufgaben dieser Götter waren ganz die gleichen. Sie waren zuständig für Regen und Sonnenschein, für Fruchtbarkeit und Frieden, für Liebe und Freude. Ihre großen Jahresfeste wurden mit Spiel und Tanz gefeiert. 

 

Krieg zwischen Vanen und Asen 

Die Verbindung zwischen den göttlichen Geschwistern und deren gemeinsame Schöpfungskraft, an die die Vanen glaubten, war in den Augen der Asen sittlich verwerflich und musste nach dem Krieg zwischen den beiden Stämmen aufgelöst werden.

Hier trafen aber nicht nur Menschen sondern auch Kulturen und spirituelle Auffassungen aufeinander:

die auf Landwirtschaft und Wohlergehen ausgerichteten Vanen und als Eindringlinge die kriegerischen Asen. Keine der beiden Seiten konnte einen Sieg für sich erringen, weshalb der Krieg über lange Zeit anhielt. 

 

Freya und Odin 

Freya musste einen neuen Gatten nehmen. Das war in vielen Kulturen üblich, dass die Götter der männlichen Eroberer sich die Muttergöttin der unterlegenen Stämme zur Frau nehmen.

Freya war bei ihrer Wahl aber äußerst wählerisch. Auch Odr, der eigentlich eine Gestalt Odins ist, musste dreimal um sie werben, ehe sie ihn eines Blickes würdigte.

Die Verbindung zwischen den beiden gilt jedoch danach als das Urbild aller Liebe: Sie wird als so groß beschrieben, dass Freya ohne Odr nicht leben kann und ihn, als er auf der Suche nach Weisheit die Länder durchstreift, überall sucht und Tränen um ihn weint, aus denen der Bernstein entstanden ist.

Trotz dieser Verbindung ist Freya immer eine freie Frau geblieben und ist damit auch die Beschützerin aller freien Frauen. Bei ihren Liebhabern war sie nicht so wählerisch, wie bei ihrem Ehegemahl. Es gibt zahlreiche Überlieferungen ihrer amouröser Abenteuer.

 

Freya und die Zwerge

So hat sie z.B. mit vier Zwergen (bzw. Alben) aus Swartalfheim je eine Nacht verbracht. Als Gegengeschenk schmiedeten diese dafür aus Bernstein, dem Gold des Nordens, ihren wundervollen Halsschmuck Brisingamen. Dieser Flammenring kann als Sonnensymbol gedeutet werden. Da dieser den Geist aller vier Elemente enthält (jeder Zwerg ist stellvertretend für ein Element), kann Freya damit die gesamte Natur mit ihrer Heiligkeit erfüllen und beherrscht so auch alle natürlichen Vorgänge und Zyklen.

 

Freya als Freie Frau

So sehr sie sich als freie Frau mit anderen Göttern, Wesen und Männern vergnügte, das wichtigste, das sie zu geben hatte, bekam ihr Göttergatte. Sie, die mächtige Allwissende hat dem Gott Odin all ihre Weisheit und damit auch viel Macht geschenkt. Nicht bekannt ist, was sie dazu bewogen hat und ob es von Odin dafür eine Gegenleistung gab. Odin bekam von Freya sehr viel, denn ihr Wesen, ihre Gaben und ihr Wirkungsbereich ist außerordentlich vielfältig:

Sie ist die Gebieterin des Schicksals und des Glücks, der Nacht, der Sterne und der Magie, Himmelskönigin, Gebieterin der Katzen, Führerin der Walküren.

Sie war die eigentliche Mondgöttin und damit die Göttin des Meeres und der Fruchtbarkeit. Sie liebt den Frühling und die Blumen, alle Arten der Kunst, insbesondere die Poesie und Dichtkunst und dort vor allem das Liebeslied.

Gern vernimmt diese Göttin der Liebe den Minnesang, besonders in Liebesangelegenheiten wird sie angerufen und ist den Anrufenden gewogen.

Freya wird als Göttin der Liebe, auch der erotischen Liebe, der Magie, wie auch als zerstörerische Göttin verehrt. Auf einem von Katzen gezogenen Streitwagen zieht sie über den Himmel und auch zu blutigen Schlachtfeldern. Als Kriegsgöttin handelt sie klug und überlegen, geht nach ausgeklügelten Strategien vor.

Freya ist eine geschickte Kämpferin und kann vor allem mit dem Speer trefflich umgehen. Zur Todesgöttin wird sie, wenn sie auf dem Schlachtfeld die Hälfte aller Gefallenen für sich auswählt. Manchmal reitet sie auch auf einem Kampfschwein, ein Eber mit goldenen Borsten namens Hildiswini, der vielleicht ihr verwandelter Bruder Freyr ist. Damit ist Syr (= Sau) einer ihrer Ehrennamen.

 

Vor allem aber brachte Freya den Völkern Nordeuropas das Licht. Sie schenkte ihnen damit nicht nur die Glut der erotischen Liebesonden, auch das Schmiedefeuer und jedes Jahr erneut zum Julfest, die Sonne und die Hoffnung, wenn sie Freyr neu zu Welt bringt.

 

 Schwanenkleid und Falkenmantel 

Freya besitzt ein Schwanenkleid und einen Mantel aus Falkenfedern. Mit beiden Gewändern kann sie fliegen und sich in die entsprechenden Vögel verwandeln, was auf schamanische Wurzeln hindeutet. Wenn Freya nur mit diesem Federumhang bekleidet erscheint, unter dem sie nackt ist, und ihren magischen Halsschmuck trägt, kann ihr keiner widerstehen. 

Freya trägt in vielen Überlieferungen auch Züge der Holla oder der Huld, der aus dem Märchen bekannten Frau Holle. Wie ihre alpenländische Verwandte, kann Freya Wetter machen, d.h. es lohnt sich, für Wetterzauber eine dieser Göttinnen um Unterstützung zu bitten.

 

Für all diese Zaubertaten der Göttin hatten die Wikinger mit ihren Asen wenig Verständnis, genauso, wie ihnen damals schon der Lebenswandel einer “Freien Frau” fremd und unbehaglich war. Aus diesem Grund bekam Freya auch oft den Beigeschmack einer Hure und Hexe, eines verführerischen, unheimlichen sexbesessenen Luders. Für die Vanen allerdings waren die Fähigkeiten der Freya Inbegriff reinster Göttlichkeit.

Nach Freya ist der Freitag benannt. Hier ist auch ihre nahe spirituelle Verwandtschaft zur Göttin [Venus] ersichtlich – ihr Tag, der vendredi (franz.) oder venerdì (ital.) ist ja auch der Freitag, der Tag der freien Frauen. Wenn dieser noch dazu auf einen 13. fällt, also das Symbol für das Mondjahr und die 13 Mondzyklen, dann ist das ein besonderer Festtag für Frauen.

Im Übrigen wurde am Freitag seit ältesten Tagen zu Ehren der Freya Fisch gegessen. Seine aphrodisierende Wirkung wurde dem Segen der Göttin der Liebe zugesprochen.

Auch das Wort „Frau“ leitet sich von ihrem Namen ab und bedeutet ursprünglich „die Freie“. Freya regiert auch den Monat Februar. Freya war die Linde heilig. Unter zahlreichen Freya-Linden wurden die Thing-Versammlungen (Volks- und Gerichtsversammlungen nach dem alten germanischen Recht) abgehalten. Wie Holla soll sie auch dem Holunder sehr zugetan sein.